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Das Ehrenamt hat Konjunktur – und wird gelobt, geehrt, gewürdigt. Berlin sagt Danke, Deutschland verleiht Engagementpreise. Dabei bleiben die Bedingungen, die das Engagement notwendig machen meist unerwähnt. So hat Berlin freiwilligen Initiativen für ihr Engagement gedankt, während sich das institutionelle Versagen in der Registrierung und Versorgung von Geflüchteten weiter hinzog. Gesellschaftliche Ausgrenzung und die generelle Abnahme sozialstaatlicher Leistungen wird nicht erwähnt und erst recht nicht in Frage gestellt. So ist es möglich, dass neben der Ehrung und Würdigung ehrenamtlicher Unterstützung von Geflüchteten deren Entrechtung bzw. ihr Zugang zu sozialen und politischen Rechten durch Aufenthalts- und Asylrechtsverschärfungen weiter ausgeweitet wird.

Die Würdigung ist außerdem selektiv. Anerkannt als Engagement wird häufig nur die Unterstützung und Hilfe von medibu%cc%88ro-00_01_15_04-still007Geflüchteten nicht aber deren Engagement für eine Veränderung ihrer politischen und sozialen Situation. Initiativen von Geflüchteten von Migrant*innen bleiben in der Regel unerwähnt. Ihr Engagement wird, wie am „Oranienplatz“ und der „Gerhart-Hauptmann-Schule“ zu beobachten war, häufig sogar kriminalisiert. Auch zu kritisches und die Bedingungen skandalisierendes Engagement ist nicht immer und überall erwünscht. So wurde Initiativen, die in Unterkünften Geflüchtete beraten oder Sprachunterricht anbieten, der Zugang verwehrt, als diese die Bedingungen der Unterbringung öffentlich kritisierten.